Entwicklungsgeschichte der Antonov AN-2 

Der Prototyp der AN-2, wurde vom  genialen Konstrukteur Oleg K. Antonov im Auftrag des Ministeriums für Forst- und  Landwirtschaft der Sowjetunion als Nachfolgeflugzeug der bis dahin eingesetzten  Polikarpow PO-2 entwickelt, und startete am 31.August 1947 zu ihrem Jungfernflug.

Um die gestellten Anforderungen nach Mehrzweckfähigkeit, Robustheit,  hoher Zuladung und extrem kurzen Start- und Landestrecken zu erfüllen,  konstruierte Antonov in einer Zeit, als Doppeldecker längst nicht mehr gebaut  wurden, die AN-2 als Ergebnis umfangreicher wissenschaftlich fundierter Studien.  Die Konstruktion war so genial, dass die AN-2 bis 2002 nahezu unverändert in  einer Gesamtstückzahl von ca. 18‘000 (!) zunächst in Kiew, später in Lizenz, im  polnischen Mielec und in zwei Werken in China, gebaut wurde. Sie gehört damit zu  den vier meistgebauten Flugzeugtypen der Welt.  

 

Eine An-2 der deutschen Classic Wings über den Victoria-Fällen

Eine An-2 der deutschen Classic Wings über den Victoria-Fällen

 

Der Prototyp erfüllte bereits 1947  die heute gültige Standardanforderung an moderne Flugzeuge, d.h. die  Minimalgeschwindigkeit soll etwa 1/5 der Maximalgeschwindigkeit betragen. Im  Laufe der Jahre wurden zahlreiche Ausführungen entwickelt, neben der am  häufigsten gebauten Landwirtschaftsversion (AN-2S) auch Passagier-(AN-2P),  Transport- (AN-2T), Krankentransport- und Kombiversionen (AN-2TP), auf Rädern,  Schwimmern (AN-2V) und Ski, die sich relativ kurzfristig alle ohne grösseren  Aufwand in eine jeweils andere Version umbauen liessen. Auch Spezialversionen  für spezielle Aufgaben wie wissenschaftliche meteorologische Aufgaben (AN-2ZA)  und Ausführungen mit Turbinenantrieb (AN-2SKh) und mit Doppelleitwerk (AN-2F)  wurden gebaut.

eine chinesische Y5

 

Während der Rumpf in  Ganzmetall-Halbschalenbauweise in rechteckigem Querschnitt mit abgerundeten  Ecken konstruiert ist, sind die Flächen sowie das Höhen- und Seitenleitwerk  stoffbespannt. Die obere Tragfläche hat Vorflügel, die bei einer Geschwindigkeit  von ca. 110 km/h oder weniger automatisch ausfahren und für zusätzlichen  Auftrieb sorgen. Am äusseren Ende sind Querruder angebracht, die mit  Landeklappen über die gesamte Breite der Fläche gekoppelt sind. Die unteren  Flächen haben nur Landeklappen. Während die Quer- und Höhenruder vom Piloten-  und Copilotensitz über mechanische Stangen und Seile gehandhabt werden, fahren  die Landeklappen elektrisch über Verstellmotoren aus. Ausserdem sind elektrisch  angetriebene Trimmruder über alle drei Achsen installiert.

Das Fahrwerk  ist ein starres Dreipunktfahrwerk mit verstrebtem Hauptfahrwerk und Spornrad.  Die Federung erfolgt über eine Hydraulikölluftfederung, die Bremsanlage ist  druckluftbetrieben. Das Triebwerk besteht aus einem luftgekühlten  9-Zylinder-Sternmotor mit der Bezeichnung Asch-62. Dieses Triebwerk ist eine  Weiterentwicklung des von der Sowjetunion vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges  erworbenen Lizenzrechtes an dem vielfach gebauten berühmten amerikanischen  Triebwerk Typ Wright Cyclone R 1820, welches u.a. auch in der DC-3 eingebaut  war. Es leistet 746 KW (1‘000 PS) und hat einen Hubraum von 29,87 Liter. Es kann  auch problemlos von einer Person ohne elektrische Stromquelle über eine  Handkurbel gestartet werden.

 

Eine An-2 auf Schwimmern

 

 Der Propeller vom Typ AW-2 ist ein verstellbarer  Ganzmetallpropeller (constant speed prop) mit einem Durchmesser von 3,60 m. Die  elektrische Versorgung erfolgt über einen Generator, der relmäßig 27 V  Wechselstrom erzeugt. Darüber hinaus erzeugen zwei Umformersysteme 36 bzw. 110  Volt Gleichstrom zur Versorgung u.a. des Navigationssystems und des  Radarhöhenmessers.